Lehrveranstaltungen im WiSe 2007/08

Körperpolitik РPolitik der Körper

Zur historischen Anthropologie der Sexualität ab 1770

Gibt es einen Zusammenhang zwischen staatlicher Politik und menschlichem K√∂rper? – Wir sind gewohnt, uns das Politische als etwas Unk√∂rperliches, Abstraktes vorzustellen. Und doch ist es vor allem der K√∂rper, der im Mittelpunkt politischer Operationen steht: Im Krieg wird er im Namen der Nation der Gefahr der Verletzung und des Todes ausgesetzt, √ľber den weiblichen K√∂rper soll die Vermehrung der Bev√∂lkerung gew√§hrleistet werden, in der Schule, im Milit√§r, in Organisationen wird er diszipliniert und ¬Ľnormalisiert¬ę. Seine Gesundheit steht im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend im Mittelpunkt staatlicher Ma√ünahmen, wissenschaftlicher Diskurse und Praktiken. Sein Geschlecht entscheidet √ľber politische Partizipation. Seine Sexualit√§t avanciert zum Ausweis sozialer Normalit√§t und b√ľrgerlicher Hegemonieanspr√ľche, was wiederum die Ausdifferenzierung neuer Wissensfelder antreibt (wie z. B. Ethnologie, Sexualwissenschaft, Psychoanalyse). – Neben der Erarbeitung aktueller theoretischer Perspektiven auf die K√∂rper- und Sexualit√§tsgeschichte, soll an ausgew√§hlten historischen Beispielen untersucht werden, auf welche Weise Subjektformationen kulturell produziert werden und wie diese mit Machtund Wissensdiskursen verwoben sind. √úber Schriftquellen hinaus wollen wir Film- und Bildmaterial auf die √§sthetische Produktion von (Kollektiv-)K√∂rpern hin untersuchen sowie die kulturell codierten Weisen der Wahrnehmung des eigenen K√∂rpers, seiner L√ľste und Schmerzen, in den Blick nehmen. – Bei Interesse besteht die M√∂glichkeit zu Projektarbeit und gemeinsamer Exkursion (z. B. ins Deutsche Hygiene Museum, Dresden).

Hauptseminar, Di 14–16 Uhr, SO 22a 3.01


Zur Kulturgeschichte der Fußnote

Einf√ľhrung in Theorie und Praxis wissenschaftlichen Arbeitens

(insbesondere f√ľr Mono-B.A.-Profilbereich und Kombi-B.A.-Kernfach Kulturwissenschaft)

In diesem Kurs werden grundlegende Fertigkeiten kulturwissenschaftlichen Arbeitens vermittelt. Die TeilnehmerInnen haben die Gelegenheit, sich mit verschiedenen Arbeits-, Recherche- und Pr√§sentationstechniken vertraut zu machen, die Entwicklung wissenschaftlicher Fragestellungen und Lekt√ľrepraktiken einzu√ľben und Grundformen studentischer Textproduktion (Hausarbeit, Rezension, Klausur usw.) kennen zu lernen. Praktische √úbungen sind ebenso vorgesehen wie Besuche von Bibliotheken, Archiven und Wissenschaftszentren. – Eine Einf√ľhrung ins wissenschaftliche Arbeiten ist zugleich nicht von der Geschichte der Wissenschaften zu trennen, welche einen weiteren Schwerpunkt des Seminars darstellt. Dieser zielt darauf, Parameter wissenschaftlicher Wahrheitsproduktion in ihrer historischen Gewordenheit kennen und reflektieren zu lernen.

SE, Mi 12–14 Uhr, SO 22a 3.01


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